HTC One X - Testbericht

HTC One X – Testbericht

Während der letzten fünf Wochen habe ich dank trnd.com ausgiebig ein Android Smartphone testen können. Ich habe das neue Flaggschiff von HTC, das HTC One X, zur Verfügung gestellt bekommen – und mit etwas Glück darf ich es sogar behalten! Hier im Blog habe ich bereits ein paar Mal darüber berichtet und erste Gedanken festgehalten.
Nun versuche ich, meine Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Testbericht zusammen zu fassen.

Wichtig zu wissen: ich bin glücklicher Benutzer eines iPhone 4 (ohne S). Das verleitet mich natürlich dauernd dazu, damit zu vergleichen – gibt mir aber auch gewisse Anhaltspunkte für meine Bewertungen.

Die Hardware

Das HTC One X ist das momentane Flaggschiff von HTC. So wie ich das beurteilen kann ein Top-Handy: neuste Generation, ausgestattet mit neuster Technik, solide verarbeitet.

Hier mal ein paar Zahlen:

  • Größe: 134,36 x 69,9 x 8,9 mm
  • Gewicht: 130 g mit Akku
  • Display: HD 720P Touchscreen
  • Bildschirm: 4,7“ (1280 x 720 Auflösung)
  • Prozessor: 1.5 GHz, Quad Core
  • Kamera:
    8-Megapixel-Kamera mit Autofokus, intelligentem LED-Blitz
    F2.0-Blende und 28-mm-Objektiv 1080p HD-Videoaufnahme
    1,3 Megapixel Frontkamera (720p für Video-Chat)
  • Betriebssystem: Android 4.0 mit HTC Sense 4
  • Speicher:  gesamt 32 GB, RAM 1GB
  • Akku: Kapazität 1800 mAh

Weitere Spezifikationen auf der Webseite von HTC.

Was mir bei der Hardware aufgefallen ist:
der Vierkern-Prozessor ist wirklich schnell. Das merke ich beim Aufstarten, beim Starten von Apps, beim Surfen, beim Fotografieren. Im Vergleich zum iPhone 4 gehen einige Prozesse schneller. Negativ ist mir aufgefallen, dass der Akku diesem System (und wohl vor allem diesem Display) nicht ganz gewachsen ist. Obwohl ich das Handy in der Nacht ausschalte, die GPS-Funktion fast immer deaktiviert ist und auch das Display auf der abgeblendetsten Stufe läuft, muss ich es ca. alle 18-20 Stunden aufladen – das ist meiner Meinung nach nur knapp genügend.. Weiter bemerke ich eine starke Erwärmung des Smartphones bei nur leicht intensiverem Gebrauch. Das heisst: wenn ich via mobiles Netz (nicht WiFi) surfe, einige Apps geöffnet habe und vielleicht noch das GPS rasch aktiviere wird das Handy innerhalb von 10 Minuten unangenehm warm. Es ist nicht gerade heiss, aber doch so, dass die Wärme negativ auffällt.

Das Design

Schon beim Auspacken ist mir aufgefallen, dass das HTX One X relativ gross ist: vor allem das Display scheint riesig zu sein! Doch trotz seiner Grösse ist das Smartphone erstaunlich leicht, leichter als das iPhone 4. Das HTC ist solide verarbeitet mit einem matten Plastikgehäuse, dessen Hinterseite und die Ecken leicht abgerundet sind. Das Plastikgehäuse wirkt jedoch etwas weniger edel als das Gehäuse aus Glas und Metall des iPhone 4.

Auffallend am Design ist nebst dem Display die leicht vorstehende Kamera auf der Rückseite. Eigentlich habe ich erwartet, dass mich dies stören würde – hat es nicht. Jedoch sind nach nun ca. fünf Wochen täglichen Gebrauchs bereits erste leichte Kratzer an der Kamera zu sehen. Auf der Vorderseite befindet sich ebenfalls eine Kamera, diese ist ca. 1 mm ins Gehäuse eingelassen – ungünstig! Denn darin hat sich nun erwartungsgemäss bereits Staub angesammelt. Auch im auf der Linken Seite eingelassenen USB-Anschluss hat sich schon etwas Staub angesammelt – dieser hat leider keine Klappe oder Schutz.

Auf der Oberkante befindet sich rechts der Ein-/Ausschalter. Auf der rechten Seite ist eine weitere Taste zur Lautstärkeregelung angebracht. Vor allem die letztere finde ich nicht ganz optimal plaziert: immer wieder ist es vorgekommen, dass ich aus Versehen die Klingeltonlautstärke verstellt habe, wenn ich das Handy einfach aus dem Sack genommen oder mit einer Hand bedient habe. Einhändig ist auch der Ein-/Ausschalter oben rechts kaum zu bedienen. Das Display kann ich also nicht aktivieren, ohne die zweite Hand hinzu zu nehmen – beim iPhone funktioniert dies dank dem Home-Button unten am Display ohne Probleme.
À propos Home-Button: dort, wo dieser beim iPhone ist, sind beim HTC One X drei berührungssensitive „Tasten“, die nur aktiv sind, wenn auch der Bildschirm aktiv ist. Die Touchscreen-Tasten decken die Funktionen „Zurück“, „Home“ und „aktive Apps“ ab und sind nach einigen Wochen für mich sehr praktisch und intuitiv zu bedienen.

Die Software

Als iPhone-Benutzer hat es mich natürlich gereizt, mal ein Android-Smartphone zu testen. Denn vom iOS bin ich eigentlich begeistert: da funktioniert alles, sieht (fast) alles gut aus, läuft alles stabil. Bei Android ist das – nun ja – nicht völlig andersrum, aber trotzdem halt anders. Das liegt einerseits am Android-System selber und wohl auch an der Benutzeroberfläche von HTC, dem HTC Sense.

Am meisten schwer getan habe ich mich mit der Tastatur. Obwohl es da etliche Einstellungsmöglichkeiten und Zusatztastaturen gibt, habe ich die Tastatur nicht so einrichten können, wie ich eigentlich wollte. Die Umlaute (ä, ö, ü) – die brauche ich für Dialekt sehr oft in SMS – erscheinen beim längeren Drücken auf die Taste erst nach allen anderen möglichen A’s: àáâã und erst dann ä. Umständlich!
In vielen Apps gibt es einen Zurück-Button und einen Menu-Button. Von iOS her bin ich mir gewohnt, dass diese beiden Buttons in den Apps immer etwa am gleichen Platz zu finden sind – und auch immer etwa gleich aussehen. Auf Android variiert dies stark: mal ist das Menu oben rechts, mal unten links, mal unten über die gesamte Breite. Auch wenn immer alle klagen über die Einschränkungen, die Apple macht: für mich als Benutzer machen diese Einschränkungen die Bedienung einfacher, übersichtlicher und angenehmer!

Gut gefallen hat am Android-System haben mir aber die Widgets, die direkt auf dem Homescreen (oder einem Nebenscreen) installiert werden können. Widgets sind kleine Auszüge aus Apps, die einfach direkt auf dem Bildschirm laufen, ohne dass ich die App selber aufstarten muss. So kann ich mir z. B. die nächsten drei Termine aus dem Kalender anzeigen lassen oder mit dem Evernote Widget (Danke Sam für den Tipp!) direkt Notizen aufzeichnen.
Beim iPhone gibt es diese Funktion nicht, resp. nur einmal: beim Doppelklick auf den Home-Button kann man ganz nach links scrollen und kommt so zu einem Musikplayer-Widget. Hier könnte sich Apple ein Stück abschneiden!
Aber – und da dürft ihr mir jetzt gerne Erbsenzählerei vorhalten – auch bei den Widgets geht es relativ chaotisch zu und her. Jedes Widget kann glaub ich aussehen, wie es (resp. der Entwickler) gerade will. Da fehlt mir persönlich einfach die gewisse Ästhetik, sorry.

Wenig ästhetisch kommen auch einige Apps auf Android daher, die auf dem iPhone eigentlich einen guten Eindruck machen: Tagesanzeiger, SBB, Local.ch… Werden die Android-Apps derart stiefmütterlich behandelt? Oder sind Androidbenutzter dermassen anspruchslos? Hier mal ein paar Eindrücke:

no images were found

 

Das Display

Das Display habe ich als sehr positiv empfunden: gross, hell, hohe Auflösung – angenehm! Mit seinen 4,7 Zoll Durchmesser ist es sehr gut geeignet zum Lesen von RSS-Feeds oder fürs Videoschauen. Die Auflösung ist so hoch, dass aus normalem Abstand keine Pixel erkennbar sind. Dadurch wirkt sowohl Text wie auch Bild sehr klar und scharf.
Die Farbwiedergabe habe ich ebenfalls positiv empfunden. Zwar sind die Farben kräftig und leuchtend, aber nicht irgendwie „verfremdet“. Die Helligkeit ist ebenfalls angenehm, auch an sonnigen Tagen vermag das Display immer genug leisten. Einzig die automatische Regulierung der Helligkeit habe ich nicht so richtig wahrgenommen. Wenn mein iPhone in absoluter Dunkelheit das Display stark zurück dreht, blendet das HTC immer noch quasi mit voller Leistung. Da wäre softwaremässig noch etwas Optimierungspotential.

Die Kamera

Im Blogpost Fotovergleich HTC One X – iPhone 4 habe ich ja bereits die Kamera etwas genauer beleuchtet. Nach einigen Wochen weitertesten und ausprobieren hat sich mein Gefühl nicht grundsätzlich geändert, vielleicht noch etwas ins positive verschoben:

  • Die Kamera macht für ein Smartphone gute Fotos. Auflösung und Schärfe genügen als „Knippse“ vollauf.
  • Das HTC One X geht mit schwierigen Belichtungssituationen (Schatten/Sonne auf dem gleichen Bild) anders um als das iPhone. Während das iPhone mehr zum „Ausbrennen“ neigt (Hellste Stelle wird einfach ganz Weiss), tendiert das HTC One X eher dazu, die dunklen Stellen etwas aufzuhellen, damit die hellsten Bereiche des Fotos doch noch Zeichnung haben. Das führt zu Fotos, die etwas weniger „knallig“ und satt daherkommen, als beim iPhone – mit etwas Nachbearbeitung lassen sich aber so die besseren Fotos/Abzüge daraus machen.
  • Die Kamera rauscht nach meinem Empfinden in den dunklen Bereichen stark. Über die Ursachen kann ich nur spekulieren, aber vielleicht hätte es ja auch ein 6 Megapixel-Sensor getan..
  • Die direkt in der Kamera-App integrierten Filter und Zusatzfunktionen machen Spass: Farbveränderungen, Verzerrungen, zusätzliche Unschärfe oder Assistenten für HDR- und Panoramafotos sind schöne Spielereien. Schade, dass die Filter nicht auch im Nachhinein in die Fotos eingefügt werden können!
  • Die Serienbildfunktion ist eine weitere spannende Zusatzfunktion, die wirklich hilfreich sein kann. Auch das beim Filmen Fotos gemacht werden können ist toll – habe ich als Wenigfilmer aber kaum gebraucht.

Mein Fazit

Auch wenn dieser Testbericht sehr kritisch und pingelig tönen mag: ich habe das HTC One X insgesamt als sehr gutes Handy empfunden. Als High-Quality-Smartphone (Preisklasse um die 700.- Schweizer Franken) erfüllt es fast alle meine Erwartungen und Bedürfnisse. Als Apple-Benutzer sind mir vor allem die Unterschiede im Betriebssystem aufgefallen – und da möchte ich mich nicht vom iOS trennen. Ausser den Widgets (die wird Apple hoffentlich auch mal abkupfern) habe ich bei Android nichts gefunden, das mir besser gefallen hätte. Für Android-Benutzer kann ich das Handy aber ganz klar empfehlen!
Kurz zusammengefasst:

Positiv

  • Display: gross, scharf, hell!
  • Kamera: gute Bilder, hohe Schärfe, spassige Effekte.
  • Geschwindigkeit: das Smartphone läuft schnell und zuverlässig.

Negativ

  • Wärmeentwicklung: das Gerät wird rasch unangenehm warm.
  • Akkulaufzeit: bei „guter“ Nutzung – hey, ich bin ein Digital Native und brauche das Ding halt! – hällt der Akku zu wenig lang.
  • Bildschirmsperre: der Knopf oben rechts für die Displayaktivierung ist am falschen Ort.

 

Image Credits: htc.com